In Personalabteilungen mit internationalen Teams zeichnet sich seit einiger Zeit ein Muster ab: Klassische, fest getaktete Deutschkurse – ob intern organisiert oder extern gebucht – werden von Mitarbeitenden im Schichtdienst, in Teilzeit oder im Homeoffice zunehmend seltener durchgehend besucht. Personalentwicklerinnen und -entwickler berichten unabhängig voneinander von ähnlichen Beobachtungen.
Ein Grund dafür liegt im Format selbst: Ein fester Kurstermin um 18 Uhr funktioniert für Bürobeschäftigte gut – für Mitarbeitende in Produktion, Logistik oder Pflege mit wechselnden Schichten dagegen kaum. Die Folge: Kursplätze bleiben leer, oder Mitarbeitende brechen die Teilnahme nach wenigen Wochen ab.
Warum klassische Gruppenkurse im Arbeitsalltag oft ins Leere laufen
Neben der Terminfrage kommt ein zweites strukturelles Problem hinzu: In einer Gruppe von zwölf bis zwanzig Personen kommt jede:r Einzelne pro Stunde nur wenige Minuten aktiv zu Wort. Wer außerhalb des Kurses keine Gelegenheit zum Sprechen hat, verliert genau die Übung, die für einen spürbaren Fortschritt nötig wäre – unabhängig davon, wie gut der Kurs an sich ist.
„Wir hatten einen festen Deutschkurs für unser Lager- und Produktionsteam gebucht. Nach zwei Monaten war die Teilnahme wegen Schichtwechseln auf ein Drittel gesunken. Das war kein Motivationsproblem – die Leute konnten schlicht nicht regelmäßig zur gleichen Uhrzeit.“
Seitdem prüft ihr Team flexiblere Alternativen, bei denen Mitarbeitende Termine selbst mit einer festen Tutorin oder einem festen Tutor vereinbaren können.
Diese Beobachtung deckt sich mit Arbeitsmarktdaten, die einen Zusammenhang zwischen Sprachniveau, Beschäftigungschancen und Einkommen zeigen:
Drei Kennzahlen, die den Trend erklären
Kein Automatismus, aber ein Muster, das sich in mehreren Studien wiederholt.
Warum Preply bei Personalentwicklung immer häufiger auf dem Tisch liegt
Ein Anbieter fällt in Gesprächen mit Personalverantwortlichen besonders häufig: Preply, ein Marktplatz für 1:1-Sprachunterricht mit tausenden freien Tutorinnen und Tutoren weltweit. Der Reiz aus HR-Sicht liegt in der Flexibilität – Mitarbeitende können Unterricht selbst um Schicht- oder Familienzeiten herum planen, ganz ohne feste, zentral organisierte Kurstermine.
Ein mittelständisches Logistikunternehmen aus dem Rhein-Main-Gebiet hat seinen Mitarbeitenden im Lager testweise Zugang zu einer solchen Plattform ermöglicht, statt einen weiteren festen Gruppenkurs zu buchen. Nach eigenen Angaben des Unternehmens nutzten rund ein Dutzend Beschäftigte das Angebot regelmäßig – vor allem in den Abendstunden nach Schichtende.
Ob und wie stark sich das mittelfristig auf Sprachniveau oder interne Aufstiegschancen auswirkt, lässt sich aus einem einzelnen Fallbeispiel nicht verallgemeinern. Es deckt sich aber mit dem, was die Statistiken oben im Durchschnitt nahelegen.
— Angaben laut Unternehmen, anonymisiert wiedergegebenKein Ersatz für den betrieblichen Grundkurs
Personalentwicklerin Sturm warnt allerdings vor Pauschalurteilen: „Ein guter Grundkurs mit Struktur und Grammatik bleibt wichtig. Flexible 1:1-Formate sehen wir eher als Ergänzung, um das Gelernte tatsächlich regelmäßig anzuwenden – gerade dort, wo feste Kurstermine im Arbeitsalltag nicht funktionieren.“ Individuelle Ergebnisse hängen dabei stark von Ausgangsniveau, Zeitaufwand und Regelmäßigkeit ab.
Ob sich der Trend in der Breite durchsetzt, wird sich zeigen. Fest steht: Die Nachfrage nach flexibler, planbarer Sprachförderung außerhalb starrer Kurszeiten wächst – gerade in Betrieben, in denen Schichtarbeit, Homeoffice und internationale Teams aufeinandertreffen.